Wie Christoph Prinz mit PartPrinZ aus Jena ein Problem löste, das sonst keiner lösen wollte

Es gibt Unternehmer, die ihre Idee in einer Garage hatten. Und es gibt Unternehmer, die ihre Idee zehn Jahre lang täglich auf dem Schreibtisch hatten – und irgendwann beschlossen haben, dass es so nicht weitergeht. Christoph Prinz aus Jena gehört zur zweiten Sorte. Und genau das macht seine Geschichte so stark.

Christoph hat PartPrinZ gegründet – eine KI-gestützte Vergleichsplattform für CNC-Dreh- und Frästeile. Das klingt zunächst nach trockenem Industrie-Stoff. Aber hinter diesem Satz steckt eine der spannendsten Gründergeschichten aus Ostdeutschland: ein Jahrzehnt Praxiserfahrung, eine Idee, die abends auf dem Heimweg wuchs, ein Kumpel mit Programmierskills, eine Küche in Jena – und der Mut, den sicheren Job loszulassen.

Das Problem, das keiner lösen wollte

Stell dir vor, du brauchst für deine Produktion ein hochpräzises Bauteil. Keiner kauft es im Supermarkt. Keiner googelt es. Stattdessen: Konstruktionszeichnung raussuchen, eine handvoll Lieferanten kennen oder mühsam recherchieren, E-Mails rausschicken, warten. Eine Woche. Manchmal zwei. Angebote kommen in unterschiedlichsten Formaten zurück – als PDF, als Excel, als Freitext – und müssen manuell verglichen werden. Währenddessen läuft die eigene Produktion.

Genau das war Christophs Alltag. Mehr als zehn Jahre lang war er im industriellen Einkauf tätig, zuletzt bei der SOMAG AG in Jena, wo er für die Beschaffung hochpräziser Zerspanungsteile verantwortlich war. „Ich habe irgendwann festgestellt, dass das alles sehr aufwendig ist", sagte Christoph im EASTSIDE HEROES Podcast. „Viele manuelle Abläufe – dann ist vielleicht beim Lieferanten jemand krank oder im Urlaub, Angebote kommen nicht oder kommen zu spät. Und da habe ich überlegt: Das muss doch irgendwie ins 21. Jahrhundert kommen."

Was ihn besonders beschäftigte: Das Problem sitzt auf beiden Seiten. Einkäufer schicken ihre Anfragen breit gestreut, weil sie das Lieferantenportfolio nicht vollständig kennen. Auf der anderen Seite schreiben Zerspanungsbetriebe – im Schnitt mit zwei Personen, meistens Chef und Meister – Angebote, von denen sieben von zehn nichts einbringen. Sieben von zehn. Die Trefferquote liegt bei gerade mal 30 Prozent. „Das bindet enorm viel Kapazität bei denjenigen, die im Unternehmen am meisten kosten", sagte Christoph. Und gleichzeitig bekommt der Einkäufer trotzdem nicht das optimale Ergebnis.

Das war der Zündfunke.

Eine Idee, die in der Ratszeise begann

2019 reifte die Idee. Christoph begann, im Freundeskreis davon zu erzählen – und ein Kumpel vernetzte ihn mit Marc Pfeifer, einem Softwareentwickler. Die beiden trafen sich in der Ratszeise, einem Restaurant in Jena, das es heute leider nicht mehr gibt. „Marc war sofort begeistert", erinnerte sich Christoph. „Und seitdem bauen wir das zusammen auf. Marc hat die Software wirklich von Zeile 1 an komplett selbst programmiert."

Was folgte, waren zwei Jahre Nebenjob-Gründertum. Telefonate auf dem Weg zur Arbeit. E-Mails abends. Videocalls in der Mittagspause, im Auto, weil man auf der Arbeit schlecht das eigene Startup voranbringen kann. Familie, Job, und eine Plattform, die langsam Form annahm.

Dann kam der entscheidende Moment: die Thüringer Gründungsprämie. Eine Förderung der Thüringer Aufbaubank, die Gründern zwölf Monate lang finanzielle Absicherung bietet – damit sie den Sprung wagen können. „Wir haben uns beworben und den Zuschlag bekommen. Im Februar 2024 haben wir dann den Job an den Nagel gehangen und wirklich mit einem Pilotprojekt gestartet", sagte Christoph. „Das hat uns sehr geholfen, weil wir uns komplett darauf fokussieren konnten."

Für Christoph – mit Familie und einem gewissen Lebensstandard – war das kein kleiner Schritt. Es war ein bewusster Sprung ins Ungewisse. Und er hat ihn gewagt.

Check24 für die Industrie – und das in 30 Sekunden

Was ist PartPrinZ eigentlich? Christoph erklärt es simpel und treffsicher: „Check24 für Zerspanungsteile. Du hast ein konkretes Bauteil, bestimmte Anforderungen – und bekommst eine Trefferliste der passenden Lieferanten."

Technisch dahinter steckt KI: Einkäufer laden ihre technischen Zeichnungen und 3D-Modelle hoch. Das System liest die relevanten Parameter automatisch aus, erkennt die benötigten Fertigungstechnologien und matcht sie mit den Möglichkeiten registrierter Zerspanungsunternehmen. Was früher eine Woche dauerte, dauert heute etwa 30 Sekunden für einen ersten Marktüberblick.

Und das Ergebnis ist kein schlichtes Preisvergleich-PDF. Die Plattform zeigt Angebote einheitlich und vergleichbar. Sie gibt Statusupdates in Echtzeit – Bestellung gelesen, Auftrag bestätigt, Versand erfolgt. Etwas, das im B2B-Einkauf bisher kaum Standard ist. „Das ist ja ganz anders als wenn man das aus dem Privaten kennt, irgendwie mit Online-Shopping", sagte Christoph. „Ich bestell was und habe sofort die Bestellbestätigung. Im industriellen Bereich ist das extrem selten."

© EASTSIDE HEROES

Lokale Stärke statt Fernost – ein echter Kundenerfolg

Was das konkret bedeutet, zeigt ein Beispiel aus der Praxis: Ein Jenaer Unternehmen aus der Sicherheitsbranche – man begegnet seinen Geräten an Flughäfen und Bürgerbüros – beschaffte bestimmte Bauteile aus Asien. Günstig, aber riskant: Lieferketten-Unsicherheiten, Zeitunterschiede, Sprachbarrieren.

Über PartPrinZ wurden lokale Zerspanungsunternehmen gefunden, die exakt denselben Preis bieten konnten wie die asiatischen Lieferanten. Plus: Eine Stunde Autofahrt statt Wochen auf See. Keine Zeitzone, keine Sprachbarriere, persönliche Erreichbarkeit.

Während der Pilotphase konnte PartPrinZ insgesamt über 144.000 Kilometer Versandweg einsparen. Das ist nicht nur Zeit und Geld – das ist auch CO2. „Second Source Strategie nennt man das im Einkauf", erklärte Christoph. „Einen zweiten Lieferweg ermöglichen, damit man nicht nur von einem abhängig ist." In Zeiten von Handelskriegen, Rohstoffengpässen und Pandemie-Nachwehen klingt das wie eine der klügsten unternehmerischen Entscheidungen, die man treffen kann.

Jena ist kein Kompromiss – Jena ist Heimat

Eine der spannendsten Fragen im Gespräch: Warum bleibt Christoph in Jena, wo doch München, Berlin oder Frankfurt offensichtlich mehr Investoren, mehr Netzwerk, mehr Startup-Ecosystem bieten?

Seine Antwort war klar und ohne Wenn und Aber: „Wir bleiben hier in Jena. Es ist ein bisschen Lokalpatriotismus – als gebürtiger Jenenser möchte ich meinen Hauptsitz nicht nach München verlegen. Und wir können von hier aus alles verwalten. Es gibt ja keine Grenze."

Dahinter steckt mehr als Sentimentalität. Jena ist ein Hochpräzisions-Zentrum. Zeiss, Jenoptik, ein dichtes Netzwerk an Optik- und Photonik-Unternehmen. Genau die Branchen, die hochindividuelle Bauteile in kleinen Stückzahlen mit extremen Anforderungen benötigen – und damit perfekte Testumgebung und erster Kundenkreis für PartPrinZ sind. „Wir können hier extrem viel lernen", sagte Christoph. „Gerade diese Branchen haben eine sehr hohe Komplexität – und die können wir natürlich besonders gut abbilden."

Und beim Thema Investoren? Da netzwerkt Christoph in alle Himmelsrichtungen. „Vielleicht ergibt sich nicht heute was, vielleicht auch nicht morgen. Aber vielleicht übermorgen", sagte er. „Für uns gibt es dieses Ost-West-Denken nicht mehr so. Wir sind offen für Gespräche – egal woher."

Die eigentliche Lektion: Trau dich

Was würde Christoph seinem 25-jährigen Ich sagen? Nur zwei Wörter: „Trau dich!"

Und seinen Abschlusssatz an alle Hörerinnen und Hörer formulierte er genauso knapp wie präzise: „Seid offen für Neues. Denkt innovativ, auch ein bisschen out of the box. Das muss nicht bedeuten, dass es gleich klappt. Es kann Rückschläge geben. Aber wir müssen mehr innovativ denken, weniger meckern und einfach mehr machen."

Das ist kein Motivationsspruch von einer Konferenzbühne. Das kommt von jemandem, der abends E-Mails schrieb, während andere Netflix geschaut haben. Der mittags im Auto Videocalls geführt hat. Der einen sicheren Job mit Verantwortung zurückgelassen hat – weil er wusste, dass er das Problem, das er täglich auf dem Tisch hatte, besser lösen konnte als irgendjemand sonst.

Christoph Prinz baut kein Startup aus Geltungsdrang. Er baut eine Infrastruktur für eine Industrie, die diese Infrastruktur dringend braucht – und tut das von Jena aus, mit einem selbst programmierten System, mit echten Kundenergebnissen, mit einem Blick auf einen globalen Markt, der bis 2033 auf über 100 Milliarden Dollar wachsen soll.

Das nennen wir einen echten Eastside Hero.

Du willst mehr erfahren? Hör dir die aktuelle EASTSIDE HEROES Podcast-Episode mit Christoph an und entdecke, wie PartPrinZ die B2B-Beschaffung optimiert. Und wenn du selbst Einkäufer oder Zerspanungsunternehmen bist – schreib Christoph direkt an. Er ist, wie er selbst sagt, immer offen für Gespräche!

 

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Sebastian Meier

Als Brückenbauer zwischen Innovation und Tradition prägt Sebastian Meier die Zukunft des ostdeutschen Unternehmertums. Seine außergewöhnliche Expertise wurzelt in zwei Welten: Als ehemaliger Leiter des Thüringer Zentrums für Existenzgründungen erkannte er die Bedeutung starker Netzwerke und brachte erstmals die relevanten Akteure der Gründungsszene an einen Tisch. Diese neugeschaffenen Synergien zwischen Wirtschaft, Forschung und Förderung wirken bis heute nach. Als Gründer führte er selbst die myGermany GmbH von der Startup-Vision zum erfolgreichen internationalen Bestandsunternehmen.

Diese einzigartige Kombination aus Startup-DNA und Institutionserfahrung macht ihn zum gefragten Sparringspartner für Unternehmer und Innovatoren. Mit EASTSIDE HEROES verfolgt er heute eine klare Mission: Die Transformation Ostdeutschlands zum dynamischen Wirtschaftsstandort der Zukunft. Sein 15 Jahre aufgebautes Netzwerk aus über 500 aktiven Unternehmenskontakten nutzt er, um etablierte Player mit innovativen Scale-ups zu verbinden und echte Wertschöpfung zu generieren.

Als Nerd für Künstliche Intelligenz und Automatisierung berät Sebastian regelmäßig Unternehmen bei ihrer digitalen Transformation.

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