Wenn das Licht aus Oberhof bis nach New York strahlt - LDA Licht OHG mit Heiko Gröschel

Heiko Gröschel hat mit LDA Licht etwas geschafft, das viele für unmöglich hielten: Aus dem beschaulichen Thüringer Wald heraus gestaltet er Hotellobbys in Manhattan und Erfurter Bürogebäude gleichermaßen. Seine Geschichte ist ein Paradebeispiel dafür, wie sportliche Disziplin und technisches Know-how zusammenwirken können.

Der Wintersportler, der das Licht entdeckte

© ESH

Wer Heiko Gröschel verstehen will, muss an der Eliteschule des Wintersports in Oberhof beginnen. Dort trainierte er jahrelang für die Nordische Kombination – eine Sportart, die auf den ersten Blick widersprüchlicher nicht sein könnte. Skispringen erfordert explosive Kraft und höchste Konzentration in einem einzigen Moment. Langlauf hingegen verlangt kontinuierliche Ausdauer über lange Strecken.

„Dieses Spannungsfeld zwischen Skispringen und Langlauf sehe ich heute in meiner jetzigen Tätigkeit immer noch", erzählt Heiko Gröschel im EASTSIDE HEROES Podcast. „Wir haben viele Kunden, die schnelle Reaktionen wünschen. Und wir haben viele Projekte, die über eine lange Dauer entwickelt werden müssen."

Diese Parallele ist mehr als eine schöne Metapher. Sie beschreibt präzise, wie der gebürtige Zella-Mehliser sein Unternehmen führt: Mit der Fähigkeit, blitzschnell auf Kundenanfragen zu reagieren, und gleichzeitig der Ausdauer, komplexe Hotelprojekte über Monate hinweg bis ins letzte Detail zu begleiten.

Nach seiner Zeit an der Sportschule absolvierte Heiko Gröschel eine Ausbildung zum Elektromechaniker und begann anschließend ein Kybernetik-Studium an der Technischen Hochschule Leipzig. Die Wissenschaft der Regelkreise mag auf den ersten Blick weit entfernt vom kreativen Lichtdesign erscheinen – doch genau hier liegt der Schlüssel zu seinem Erfolgsrezept.

Die Wende als Wendepunkt

Wie bei vielen ostdeutschen Unternehmern seiner Generation verlief auch Gröschels Karriere nicht linear. Nach der Wende existierten viele der geplanten Arbeitgeber schlichtweg nicht mehr. Er landete bei einem Elektro-Großhandel – und dort, eher zufällig, in der Lichtabteilung.

„Ich habe mich dort in der Lichtabteilung die ersten Monate mit dem Licht beschäftigen dürfen. Und bin nicht mehr davon losgekommen."

Was als Notlösung begann, entwickelte sich zur Berufung. Gröschel arbeitete sich hoch, wurde Vertriebsleiter und Prokurist bei der TDX GmbH in Zella-Mehlis. Dort lernte er auch Nadine Neubauer kennen, seine spätere Geschäftspartnerin. Sie stammt ebenfalls aus dem Wintersport, von der Sportschule in Oberwiesenthal.

2015 wagten beide den Sprung in die Selbstständigkeit und gründeten die LDA Licht OHG. Die Vision war klar: Nicht einfach nur Leuchten verkaufen oder Lichtpläne erstellen, sondern Projekte von der ersten Idee bis zur finalen Lichteinstellung begleiten.

Ein Konzept, das Kunden bindet

„Wir haben festgestellt, dass Kunden nicht nur eine Lichtplanung haben möchten, auch nicht nur Leuchten kaufen möchten, sondern dass sie eigentlich ein Paket brauchen", erklärt Heiko Gröschel. Dieses Paket bedeutet bei LDA Licht: Erstgespräche mit Architekten und Bauherren, technische Begleitung während der gesamten Bauphase, persönliche Anwesenheit bei der Installation – und am Ende das sogenannte E-Tüpfling.

Konkret heißt das: Wenn in einem Modegeschäft die Ware eingeräumt wird, setzt sich das Team ins Auto und richtet jede einzelne Leuchte so aus, dass das Konzept auch wirklich aufgeht. Dieser Service-Gedanke hat einen bemerkenswerten Effekt: LDA Licht verliert praktisch keine Kunden.

„Wir haben Kunden, die haben wir schon bei unserem damaligen Arbeitgeber betreut, die wir immer noch betreuen. Und wir haben vielleicht einen Kunden mal verloren."

© Christopher Schmid für LDA Licht @ The Grand Green Familux Resort

Der Anruf, der alles veränderte

Manchmal entstehen die größten Aufträge durch die merkwürdigsten Zufälle. Heiko Gröschel befand sich gerade auf einer Dienstreise in Salzburg, als sein Handy klingelte. Am anderen Ende: Ein Bekannter aus Oberhof mit dem Projektentwickler des neuen Familienhotels Grand Green im Schlepptau.

„Ich habe gesagt, es wäre schwierig, ich bin gerade ein paar hundert Kilometer entfernt. Dann hat der Projektentwickler gefragt, wo ist der denn gerade? In Salzburg? Bei welchem Projekt? Ich sage, ich bin gerade bei Motel One in Salzburg-Mirabell. Und dann sagte der Projektentwickler: Ich bitte einen schönen Gruß an den Manager, er ist ein Freund von mir. Mit dem Tag hatten wir den Auftrag."

Das Grand Green ist heute eines der bedeutendsten Hotelprojekte in Thüringen – ein Familienresort, das viele für unmöglich hielten, bevor der erste Spatenstich gesetzt wurde. Für LDA Licht war es das finanziell größte Einzelprojekt der Unternehmensgeschichte.

Wenn Oberhof nach Manhattan ruft

Noch spektakulärer klingt die Geschichte hinter dem Auftrag in New York. Ein langjähriger Kunde aus der Hotelbranche hatte eine neue, wertigere Tochtermarke gegründet: The Cloud One. Das erste Hotel dieser Marke sollte in Manhattan entstehen.

„Habt ihr Bock, uns auf der Reise nach New York zu begleiten? Für uns aus Oberhof war das natürlich schon ein Meilenstein."

Heiko Gröschel reiste mehrfach über den Atlantik, begleitete das Projekt bis zur Fertigstellung und kehrte auch danach noch zurück, um technische Details zu optimieren. Inzwischen hat LDA Licht mit dieser Hotelgruppe bereits fünf weitere Projekte realisiert.

Die Geschichte verdeutlicht, was möglich ist, wenn Qualität und Verlässlichkeit stimmen. Mittlerweile arbeitet das kleine Unternehmen aus dem Thüringer Wald europaweit und weltweit – eine Entwicklung, die Gröschel selbst manchmal überrascht.

„Wir haben es uns niemals erträumt, von Oberhof aus mittlerweile europaweit und weltweit arbeiten zu dürfen."

Warum Licht mehr ist als Helligkeit

Die Bedeutung professioneller Lichtplanung unterschätzen viele Unternehmer. Dabei kann die richtige Beleuchtung den Umsatz im Einzelhandel um bis zu 27 Prozent steigern – ein enormer Hebel.

Heiko Gröschels Philosophie lässt sich auf drei Kernpunkte reduzieren: Die richtige Lichtfarbe, die richtige Lichtmenge und die richtige Lichtverteilung. Klingt simpel, ist in der Umsetzung aber hochkomplex.

„Wir können das Licht so dosieren, dass ein Mensch, der einen Raum betritt, nicht weiß, warum er sich wohlfühlt", erklärt er. „Es ist immer ein Match zwischen Gestaltung, Beleuchtung, Sound. Und wenn ich mich in einem Raum bewege und mich wohlfühle, dann haben wir alles erreicht, was wir wollten."

Die Zukunft im Blick

Obwohl das Unternehmen erst zehn Jahre alt ist, hat Heiko Gröschel bereits die Nachfolge geregelt. Sein Sohn Paul, gelernter Elektroniker für Gebäudetechnik, arbeitet seit zweieinhalb Jahren im Unternehmen und wird es gemeinsam mit der Belegschaft in die Zukunft führen.

„Die Menschen wachsen daran", sagt Heiko Gröschel über seinen Führungsstil. „Wir fahren auch gemeinsam zu realisierten Projekten, damit alle sich das mal anschauen können, was sie geplant haben, wie es realisiert wurde."

Das Team ist ihm so wichtig, dass er auf die klassische Podcast-Frage nach den drei Personen, mit denen er am liebsten essen gehen würde, eine ungewöhnliche Antwort gibt: Seine Frau und sein Team. Keine Prominenten, keine historischen Persönlichkeiten – die Menschen, mit denen er täglich arbeitet.

Was wir mitnehmen können

Heiko Gröschels Geschichte enthält Lektionen, die weit über die Lichtbranche hinausreichen. Der Transfer sportlicher Tugenden ins Berufsleben. Die Spezialisierung auf eine Nische mit vollständiger Wertschöpfungskette. Die Standorttreue als Wettbewerbsvorteil statt als Hindernis.

Sein Fazit für alle, die ähnliche Wege gehen wollen: „Durch Fleiß, Wissen und eine Beharrlichkeit kann man enorm viel erreichen. Ein bisschen Mut zu einem Projekt, über den eigenen Schatten springen, vielleicht dafür auch ein paar Schmerzen ertragen. Aber man wird erfolgreich sein."

Oder, wie er es selbst ausdrückt: „Wir dürfen arbeiten, wo andere Urlaub machen." Im Fall von LDA Licht stimmt das sogar wortwörtlich – und die Arbeit strahlt inzwischen bis nach New York.

© Fotos 1 - 4: Beleuchtungskonzept: LDA Licht OHG, Design: Motel One Group, Fotos: Motel One Group

© Foto 5: Modehaus Rudolphi Bad Lauterberg, Foto: LDA Licht

© Foto 6-8: Christopher Schmid für LDA Licht @ The Grand Green Familux Resort

 

Empfohlener Artikel:

Sebastian Meier

Als Brückenbauer zwischen Innovation und Tradition prägt Sebastian Meier die Zukunft des ostdeutschen Unternehmertums. Seine außergewöhnliche Expertise wurzelt in zwei Welten: Als ehemaliger Leiter des Thüringer Zentrums für Existenzgründungen erkannte er die Bedeutung starker Netzwerke und brachte erstmals die relevanten Akteure der Gründungsszene an einen Tisch. Diese neugeschaffenen Synergien zwischen Wirtschaft, Forschung und Förderung wirken bis heute nach. Als Gründer führte er selbst die myGermany GmbH von der Startup-Vision zum erfolgreichen internationalen Bestandsunternehmen.

Diese einzigartige Kombination aus Startup-DNA und Institutionserfahrung macht ihn zum gefragten Sparringspartner für Unternehmer und Innovatoren. Mit EASTSIDE HEROES verfolgt er heute eine klare Mission: Die Transformation Ostdeutschlands zum dynamischen Wirtschaftsstandort der Zukunft. Sein 15 Jahre aufgebautes Netzwerk aus über 500 aktiven Unternehmenskontakten nutzt er, um etablierte Player mit innovativen Scale-ups zu verbinden und echte Wertschöpfung zu generieren.

Als Nerd für Künstliche Intelligenz und Automatisierung berät Sebastian regelmäßig Unternehmen bei ihrer digitalen Transformation.

Profitiere von Sebastians einzigartigem Netzwerk und Erfahrungsschatz: Verbinde dich jetzt auf LinkedIn und werde Teil einer neuen Generation erfolgreicher ostdeutscher Unternehmer.

www.linkedin.com/in/eastsideheroes

Weiter
Weiter

Zwischen Hardtekk und Entrepreneurship: Wie OsTEKKe die neue Generation Musikunternehmer prägt